VAKW Jahresversammlung 2026 in Engelberg

Freitag 8. und Samstag 9. Mai 2026

81. Jahresversammlung VAKW

Auch dieses Jahr hat der Vorstand VAKW einen wunderschönen Tagungsort für die Jahresversammlung gefunden: Engelberg (OW). Und dank ihrer reichen Erfahrung haben auch dieses Mal Pierre Kurt und Monika Lips zusammen mit dem Präsidenten Peter Albisser die zweitägige Tagung hervorragend und umsichtig organisiert. Im altehrwürdigen Hotel Engelberg (gegründet 1854) waren wir alle für Essen, Unterkunft und Versammlungsraum ausgezeichnet untergebracht.

Kloster Engelberg
Kloster Engelberg.

Freitag, 8. Mai 2026

Die 34 Mitglieder und Begleitungen trafen sich bei schönstem Wetter vor dem Hotel zu Kaffee und Gipfeli. Nach der Begrüssung durch den Präsidenten versammelten wir uns im Vortragsraum zum ersten Referat.

Kantonaler Führungsstab NW

Referent: Toni Käslin, Feuerwehrinspektor OW / NW

Toni Käslin verrät uns eingangs, dass er einst im Armeelawinendienst seine WKs geleistet habe. Dann erläutert er in seinem äusserst lebhaften und anschaulichen Vortrag die Organisation und die Aufgaben des kantonalen Führungsstabes. Ein Leitsatz ist: "Wer sich nicht optimal vorbereitet, ist im Ereignisfall immer hintendrein". Deshalb sind die Vorbereitung und stetige Ausbildung aller Stufen von grösster Wichtigkeit. Die Aufgaben des Führungsstabes sind, im Fall von Katastrophen und kriegerischen Ereignissen die Regierung zu beraten und die Mittel für den Bevölkerungsschutz zu koordinieren. Beteiligt an der Organisation sind Polizei, Feuerwehr, Gesundheitswesen, Zivilschutz, Militär und Kommunikation sowie im Sonderstab "Naturgefahren" zusätzlich Umwelt und Hochwasserschutz.

Ueberschwemmung
Einsatz bei Überschwemmung und Hochwasser (Bild: Kt. NW).

Zur Vorbereitung wurde im Kanton ein Risikokataster mit 35 Szenarien zu Naturgefahren, Verkehr und gesellschaftlichen Ereignissen entwickelt. Damit konnten Vorbereitungsmassnahmen auf allen Ebenen getroffen werden.

Toni Käslin erläutert und illustriert anhand der Ereignisse beim Hochwasser vom August 2005 welche Herausforderungen der Führungsstab und die Einsatzkräfte im Ereignisfall im Kanton Nidwalden bewältigen mussten.

Nach einem feinen Mittagessen trafen wir uns zum zweiten Vortrag.

Etwas mehr als 26 Jahre nach Orkan Lothar — Herausforderungen und Wiederbewaldung am Stanserhorn

Referent: Beat Ettlin, Amt für Wald und Naturgefahren NW

Der Sturm Lothar vom 26.12.1999 hat in Frankreich, Deutschland, Schweiz und weiter östlich verheerende Auswirkungen gehabt. Allein in der Zentralschweiz wurde die zehnfache Jahresnutzung an Wald umgelegt; im Kanton NW waren das 250'000 m³ Holz, am Stanserhorn allein 90'000 m³ Schutzwald. Damit fehlte der Lawinenschutz und alle Gräben im steilen Gelände waren voller Holz, was das Ableiten von Hochwasser erheblich erschwerte.

Orkan Lothar am 26. Dezember 1999 um 10:30 Uhr UTC, Eumetsat
Orkan Lothar am 26. Dezember 1999 um 10:30 Uhr UTC, Eumetsat.

Prioritär mussten deshalb die Gräben und Strassen von Holz befreit werden, um dann anschliessend die Flächen zu räumen, was für die Arbeitssicherheit bei den Aufforstungsarbeiten äusserst wichtig war. Anschliessend wurden 8000 Pflanzen gepflanzt. Zusammen mit der Naturverjüngung hatte das zur Folge, dass nach 20 Jahren im unteren Bereich dreimal mehr Pflanzen zu beobachten sind. Im oberen Bereich geht der Prozess langsamer vor sich. Heute sieht die Lage recht erfreulich aus: Die Artenvielfalt in Richtung Laubbäume hat sich verstärkt, denn Buchen/Fichtenwälder werden wegen der Klimaänderung zunehmend verschwinden. Und der Lawinenschutz ist dank der Bodenrauhigkeit mit den alten Baumstümpfen und der Naturverjüngung erhalten geblieben.

Für die Zukunft wurden zwei Lehren festgehalten: (1) eine gute Waldpflege und -struktur hilft bei Sturm und Klimaänderung. (2) Der Erhalt von minimalen Strukturen bei Forstunternehmungen und -fachleuten inklusive der Absatzkanäle ist wichtig, um bei Ereignissen darauf zurückgreifen zu können.

Eine angeregte Diskussion zum Einfluss des Borkenkäfers bildete den Abschluss dieses äusserst interessanten Vortrages von Beat Ettlin.

Besuch im Kloster Engelberg

An der Pforte begrüsst uns Bruder Kuno von der Benediktinischen Gemeinschaft Engelberg zur Klosterführung. Er lebt seit 1980 hier, war Mathematiklehrer in der Stiftsschule und ist heute "pensioniert". Das Kloster wurde 1120 gegründet, brannte im Jahre 1729 vollständig ab. Zwischen 1729 und 1745 wurde es im Barockstil neu aufgebaut. Auffällig sind die Böden, welche alle mit aus der Region stammenden Schieferplatten bedeckt sind. Es ist das einzige Benediktinerkloster, das nie aufgegeben werden musste, auch nicht temporär während der Revolution. Heute leben noch 15 Mönche im Kloster, während es 1963 noch 127 waren. Der Leitspruch der Mönche ist "Bete und arbeite". Fünf- bis sechsmal pro Tag treffen sie sich zum Gebet.

Bruder Kuno, Benediktinische Gemeinschaft Engelberg
Bruder Kuno, Benediktinische Gemeinschaft Engelberg.

Bruder Kuno führt uns durch die 300-jährige Kirche, welche gerade in der 10–Jahres–Generalreinigung steht. Es fällt auf, dass der Boden hier mit Keramikplatten bedeckt ist, welche 1904 über den Schieferboden gelegt wurden. Kuno erläutert lebhaft und mit untergründigem Humor die Geschichte des Klosters. Für den Kirchenschmuck war ursprünglich zu wenig Geld vorhanden. Nur für die barocken Altarbilder hat es gereicht. Erst 1878 wurden die Bilder an der Decke der Kirche von Melchior Deschwanden aus Stans gestaltet. Interessant ist, dass der Kirchturm und der Chor schon früher, also während mehr als 900 Jahren, an demselben Ort standen.

Stiftsbibliothek des Klosters Engelberg
Stiftsbibliothek des Klosters Engelberg.

Über eine Treppe gelangen wir in die wunderschöne Stiftsbibliothek, die sich über dem Kirchenchor befindet. Hier stehen alte Schriften, die bis ins Jahr 1500 zurückreichen. In einem separaten Raum sind besonders wertvolle Bücher und Handschriften ausgestellt. Besonders interessant ist das Buch der Benediktsregel, welches ursprünglich um das Jahr 520 geschrieben wurde, und in 73 Kapiteln die durchaus heute noch gültigen und sinnvollen Regeln des Zusammenlebens formulieren:

Buch der Benediktsregel, Bibliothek des Klosters Engelberg
Buch der Benediktsregel, Ausschnitt
Codex 72 (13. Jh.): Benediktsregel, Lateinisch – Deutsch. A-Initiale mit der Darstellung eines Engels, des Abtes Walther, der Meisterin Guta und des Mönchs Cuno.

Auf der Empore besichtigen wir noch die grösste Orgel der Schweiz, erbaut von der Firma Goll 1877-1925. Sie umfasst 9097 Pfeifen und 137 Register. Ihr Bau war ursprünglich inspiriert von der Orgel der Notre-Dame Kathedrale in Paris. Etwa 1995 wurde sie elektrifiziert, das alte mächtige mechanische Manual steht noch in einem Nebenraum.

Orgel des Klosters Engelberg
Das alte Manual der Orgel des Klosters Engelberg
Die grösste Orgel der Schweiz mit 9097 Pfeifen
und das alte mechanische Manual mit 137 Registern.

Schliesslich werfen wir noch durch das Fenster der Bibliothek einen Blick in den Klostergarten, wo die ursprüngliche Wetterstation von MeteoSchweiz mit ihrer Wetterhütte stand. Im Dezember 1863 starteten die offiziellen Wetterbeobachtungen durch Pater Placidus Wismann. 1982 wurde die Station durch die neue ANETZ Station etwas ausserhalb der Klostermauern neben dem Friedhof abgelöst.

ANETZ Messstation Engelberg
Aktuelle Station des SwissMetNet von MeteoSchweiz in Engelberg.

Allzu schnell ist diese äusserst spannende und abwechslungsreiche Führung vorbei und wir verabschieden uns von Bruder Kuno. Er könnte wohl noch sehr lange durch das Kloster führen und erzählen.

81. Jahresversammlung des VAKW

Am späteren Nachmittag begrüsst der Präsident Peter Albisser mehr als 20 Mitglieder und Gäste zur obligatorischen Jahresversammlung. Souverän und gleichzeitig locker, angereichert mit vielen interessanten KI-Bildern, führt er durch die üblichen obligatorischen Traktanden: Jahresbericht, Protokoll, Rechnung und Budget werden alle ohne Gegenstimme genehmigt. Ernster wird die Stimmung allerdings beim Traktandum 5 «Jahresbericht des Präsidenten». Die Wetter-RS und die Wetter-Einheiten wurden offiziell auf Ende 2025 aufgelöst. Damit dürfte es viel schwieriger werden, neue Mitglieder für den VAKW zu finden.
Der letztes Jahr angekündigte aufwendig eingefädelte Transfer unseres Archivs zum Schweizerischen Bundesarchiv wurde obsolet, denn unser Archiv wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abtransportiert und vernichtet.
Peter Albisser kündigt an, dass er nächstes Jahr definitiv nicht mehr zur Wiederwahl als Präsident zur Verfügung stehen werde.

Die Herbstexkursion wird voraussichtlich am 2.10.2026 nach Basel in den Rheinhafen und zur meteoblue AG führen. Das Tätigkeitsprogramm 2026/27 ist bei den technischen Leitern in Ausarbeitung.
Damit endet die Jahresversammlung und wir verschieben uns zu

Apéro und Abendessen

Ein kleiner Apéro bringt uns in Stimmung für das feine Abendessen im Hotel Engelberg. Alle geniessen das Zusammensein und lassen es mit angeregten Gesprächen bis in die späten Abendstunden ausklingen.


 

Samstag, 9. Mai 2026

Mit so etwas hätten wir nicht gerechnet — Erinnerungen und Folgen der Hochwasserkatastrophe 2005 in Obwalden

Referent: Josef Hess, Regierungsrat OW

Auch Josef Hess hat seine WK's im Armeelawinendienst geleistet und hat eine breite Erfahrung im Naturgefahrenmanagement und als Chef des kantonalen Führungsstabes. Er berichtet in einem sehr anschaulichen, reich bebilderten und lebhaften Vortrag über die Geschehnisse und Massnahmen beim Hochwasser 2005 in Obwalden.

Sarnen Hochwasser 2005
Sarnen im August 2005, teilweise überschwemmt.

Auslöser war eine Vb-Wetterlage, welche innert 3 Tagen weit über 300-jährliche Niederschläge und ebensolche Hochwasser während dreier Tage brachte. Die Folge waren ein Zufluss von 320 m³/s auf 300 m Breite zum Sarnersee und 50 cm Wasser in Sarnen, 250 Mio. Franken Schaden im Saarnertal, wie auch der Flpl Alpnach teilweise überflutet. Der Vierwaldstättersee erreichte beinahe die maximale Hochwassermarke von 1910. Etwa 1000 Hangmuren und -rutschungen wurden in den Tälern registriert. Engelberg war mehr als 1 Woche vollständig von der Aussenwelt abgeschnitten, weil die Brücke inkl. Bahntrasse unterhalb des Dorfes zerstört wurde. Hier war der Schaden mindestens 150 Mio. Franken.

Es musste eine Luftbrücke eingerichtet werden, eine Notstrasse für 0.9 Mio. Franken gebaut, das Gerinne freigelegt und anschliessend bis Mitte Dezember eine neue Fahrbahn aufgebaut, wie auch die Abwasserleitung repariert werden (für total 7.5 Mio.).

Hochwassersammler oberhalb Engelberg
Hochwassersammler mit Damm und Schwemmholzrechen oberhalb Engelberg beim Golfplatz.

Um in Zukunft solche Schäden zu vermeiden, wurden einige Projekte in Angriff genommen: Oberhalb Engelberg beim Golfplatz wurde ein Hochwassersammler mit Damm und Schwemmholzrechen gebaut. Für den Hochwasserschutz des Sarneraa-Tals wurde ein 6.5 km langer Hochwasser-Entlastungsstollen gebaut, der dieser Tage in Betrieb genommen werden konnte. Auch musste die Sarneraa weiter unten ausgebaut werden. Der Flpl Alpnach und die dortige ARA wurden mit Objektschutzmassnahmen geschützt.

Josef Hess ist überzeugt, dass mit all diesen insgesamt rund 320 Mio. teuren Massnahmen der Kanton Obwalden für die nächsten Hochwasser gut gerüstet ist. Gleichzeitig mit der Verbesserung der Sicherheit konnte auch ein Zusatznutzen für die Natur erreicht werden.

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VAKW Gruppenbild der Teilnehmer Jahresversammlung 2026
Die Teilnehmer an der Jahresversammlung des VAKW 2026.

Weiterführende Links:
https://www.nw.ch/nodienste/9877 (Kantonaler Führungsstab NW)
https://www.nw.ch/amtwaldnaturgefahren
https://www.ow.ch/fachbereiche/2041 (Kantonaler Führungsstab OW)
https://www.ow.ch/regierungsratview (Regierungsrat OW)
https://kloster-engelberg.ch

Text und Bilder 1, 4-10, 12, 13: Bruno Schädler

Jahresversammlung 2025